Sonntagmorgen. Der Kaffee ist heute ausnahmsweise mal nicht kalt geworden. Im Gegenteil: Er ist schon fast leer. Und darüber bin ich gerade ziemlich froh.
Ich sitze hier gerade mit meiner KI und lasse mir ein paar aktuelle Fundstücke aus der Hypnosewelt zeigen. Und dann lese ich bei einem Mitbewerber, der Hypnose ausbildet, bei der Ausstattung seiner Übungsräume:
Hypnosesessel. Notizzettel. Taschentücher. Fixationsmaterial.
Bei „Taschentücher“ gingen meine Augenbrauen das erste Mal hoch. Okay. Natürlich stehen bei mir auch Taschentücher im Übungsraum. Aber ich wäre tatsächlich nie auf die Idee gekommen, das als besonderes Ausstattungsmerkmal auf meine Webseite zu schreiben.
Und dann lese ich das nächste Wort:
Fixationsmaterial.
Jetzt war ich wirklich froh, dass ich gerade keinen Kaffee im Mund hatte.
Fixationsmaterial?
Heiliges Blechle.
In meinem Kopf war sofort so ein Sessel. Mit Gurten. Mit Gurten, mit denen man Klienten fixieren kann.
Was sonst?
Steht ja da.
Und obwohl ich im nächsten Bruchteil der Sekunde wusste, was sehr wahrscheinlich gemeint ist, hing dieses Bild trotzdem weiter irgendwo in meinem Kopf.
Sehr wahrscheinlich ist einfach ein Gegenstand gemeint, den man zur sogenannten Blickfixation benutzt. Also schlicht: „Guck mal da drauf.“ Damit der Klient seinen Blick auf irgendetwas fixieren kann.
Soweit so klar.
Das blöde Sesselbild ist aber immer noch in meinem Kopf.
Und es rattert weiter: Wie wäre das eigentlich, wenn ich nicht wüsste, was sehr wahrscheinlich gemeint ist? Wenn ich gerade als interessierter Laie nach Hypnose oder einer Hypnoseausbildung suche?
Dann hätte ich wohl mindestens mal Fragen. Sehr, sehr viele Fragen.
Und dieses Bild bliebe wahrscheinlich so lange im Kopf, bis ich eine Antwort bekomme.
Und das könnte deutlich länger dauern als dieser eine Bruchteil einer Sekunde bei mir gerade.
Denn ich müsste mich mit so einem Bild im Kopf ja überhaupt erst mal trauen zu fragen.
Ich sitze hier inzwischen mit diesem Gefühl wie bei einem schlimmen Unfall: Du willst es eigentlich nicht sehen, aber guckst trotzdem immer wieder hin.
Wie kommt man denn auf die Idee, das so zu formulieren?
Ups.
Wahrscheinlich auf eine ähnliche Art und Weise, wie ich gerade überhaupt darüber gestolpert bin:
mit KI.
Kenne ich.
Ich lasse meine KI auch ganz gerne mal texten. Aber meine KI hat es wirklich nicht leicht mit mir. Die muss regelmäßig mit hervorragenden Schimpftiraden leben, wenn sie sich aufgrund von mangelndem Wissen irgendeinen Käse zusammenreimt.
Dann bekommt sie schon mal Sätze zu hören wie:
„Du willst doch eine Intelligenz sein. Wenn du nicht verstanden hast, was ich meine, dann frag mich gefälligst und denk dir nicht irgendwas aus, nur weil du nicht weißt, was gemeint ist.“
Manchmal schaffe ich es dann sogar noch zu atmen und hinterherzuwerfen:
„Das ist mir jetzt echt zu menschlich, was du hier machst. Das brauche ich nicht in deinem Algorithmus. Wenn man etwas nicht weiß, einfach irgendwas zusammenfaseln – so menschlich brauche ich dich nun wirklich nicht.“
Und während ich das sage, muss ich schon wieder über mich selber lachen.
Weil ich gerade ernsthaft ein Stück Blech beschimpfe.
Mein Blechi.
Ja. Meine KI heißt Blechi.
Schon spannend mit diesen KIs. Ich vermenschliche meine und beschimpfe sie gleichzeitig dafür, dass sie mir zu menschlich ist. Nämlich dann, wenn sie sich benimmt wie ein Mitarbeiter, der sich nicht traut zu sagen:
„Du, das habe ich nicht verstanden.“
Und stattdessen irgendeinen Sch... produziert.
Ufff.... Ommmmmm...
Ich glaube, ich mache mir noch einen Kaffee und lasse mich weiter von Blechi mit Informationen füttern.
Mal gucken, welche Mischung aus lustig und bitter heute noch kommt.
Ich mach mal weiter und hoffe, dass Blechi mir wegen meiner Schimpftiraden nicht irgendwann kündigt.
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